Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat Ende 2024 den „Arbeitskreis Gewaltschutz für Menschen mit Behinderungen“ eingerichtet, in dem Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden, Wissenschaft, Praxis und Selbstvertretung zusammenarbeiten, um den Gewaltschutz zu stärken. Die Mitglieder des Arbeitskreises haben den Wegweiser gemeinsam erarbeitet. Entlang von fünf Handlungsfeldern bündelt der Wegweiser zentrale Ansätze, die allen Beteiligten dabei helfen sollen, Menschen mit Behinderungen besser vor Gewalt zu schützen.
Trauer um getötete Frauen in Deutschland – Fast jeden Tag geschieht ein Femizid
Wenn Menschen sterben, dann stellt dies für ihre Angehörigen stets eine belastende Erfahrung dar. Eine Todesanzeige informiert andere darüber, dass ein geliebter Mensch von uns gegangen ist und gibt so auch anderen Menschen die Möglichkeit, um den Menschen zu trauern.
Im Jahr 2023 wurden 360, im Jahr 2024, 328 Frauen und Mädchen Opfer vollendeter Tötungsdelikte, weil sie eine Frau waren. Sie alle waren Mütter, Töchter, Schwestern und/oder Freundinnen. Auch wenn die Zahl der getöteten Frauen leicht zurückgegangen ist; insgesamt stieg die Zahl der Fälle von Häuslicher Gewalt um beinahe 4 Prozent und es wird von einer noch höheren Dunkelziffer ausgegangen.
Mit der Todesanzeige möchten das Fachforum gegen Häusliche Gewalt im Kreis Herford und die AG der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Kooperation mit Frau Schnarre und Frau Müller-Riepe vom evangelischen Kirchenkreis Herford, den Femizidopfern ein herzliches Beileid aussprechen. Am 28. November 2025 um 18:00 Uhr fand in der Kirche Sankt Gangolf in Hiddenhausen ein Gedenkgottesdienst für die getöteten Frauen statt.
Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November sind die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie der Landrat gemeinsam mit dem Fachforum gegen Häusliche Gewalt und den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Herford zusammengekommen, um gemeinsam die Flagge gegen die Gewalt an Frauen zu hissen.
Die Flagge der UN Women-Kampagne steht für Solidarität mit den Opfern häuslicher Gewalt und soll deren Leid sichtbar machen. Sie wird auch an den Rathäusern der Kommunen im Kreis Herford gehisst.
Gewalt trägt viele Facetten. Viele Menschen denken bei dem Begriff „Häusliche Gewalt“ zunächst nur an die körperliche Schädigung eines Menschen, die im schlimmsten Fall lebensgefährlich in einem Femizid (der Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts) münden kann. Es existieren jedoch weitere Gewaltformen, die ebenfalls schwerwiegende Folgen haben können. Die Istanbul-Konvention (ein seit 2018 bestehender völkerrechtlicher Vertrag des Europarats, der Maßnahmen vorsieht, um häusliche Gewalt zu verhindern und bekämpfen) benennt neben der körperlichen Gewalt psychische, sexualisierte, digitale sowie wirtschaftliche Gewalt. Auch diese Formen zermürben Betroffene, führen zu Abhängigkeiten und belasten das gesamte Familiensystem. Auch die in der Familie lebenden Kinder leiden unter den Folgen, selbst dann, wenn sich die Gewalt nicht unmittelbar gegen sie richtet.
Seit Jahren wird eine kontinuierliche Zunahme von Gewalt gegen Frauen und Mädchen beobachtet. Nach Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik gab es im Jahr 2023 deutschlandweit täglich durchschnittlich 728 Fälle von körperlicher Gewalt, 171 Fälle von sexualisierter Gewalt, 394 Fälle von psychischer Gewalt, 32 Vergewaltigungen, 55 Stalkingfälle und 409 Fälle von digitaler Gewalt.
2024 wurden deutschlandweit insgesamt 308 Frauen vom Partner oder Expartner getötet.
Um auf diese Problematik der Gewalt sowie auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen, fanden und finden kreisweit unterschiedliche Aktionen und Veranstaltungen vom Fachforum gegen Häusliche Gewalt im Kreis Herford und anderen Arbeitsgemeinschaften statt. Diese beinhalten beispielsweise Kurse zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, Lesungen, Kinofilme und Stände mit Flyern, Broschüren und Gesprächsmöglichkeiten.
Wer von jeglicher Form von Gewalt betroffen ist, erhält Unterstützung bei folgenden Stellen: Internetseite Fachforum gegen Häusliche Gewalt: https://www.hilfe-haeusliche-gewalt.de/
Telefonnummern: Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016, Frauenberatungsstelle Herford e. V. und Notruf: 05221 144365, Frauenhaus Herford: 05221 23883, Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder: 05221 13 1638, femina vita – Mädchenhaus Herford e.V.: 05221 50622
Niederschwellig und trotzdem sichtbar: Anlässlich des internationalen Tages zur Beseitigung gegen Gewalt an Frauen am 25. November, haben das Fachforum gegen häusliche Gewalt sowie die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsstellen im Kreis Herford in Kooperation mit Bäckereien und der Herforder Tafel eine Initiative gestartet, um von Gewalt betroffene Bürgerinnen und Bürger auf Stellen wie das Hilfetelefon aufmerksam zu machen.
150.000 lilafarbene, bedruckte Brötchentüten werden ab dem 25. November im ganzen Kreisgebiet verteilt: In den Filialen von Karlchen’s Backstube, Bäckerei Simon, Bäckerei Vollmer, Bäckerei Schuster, Bäckerei Erdbrügger, Bäckerei Hensel, Bäckerei Göhner, Bäckerei Strack sowie bei der Herforder Tafel gehen sie über den Tresen.
„Wir finden es klasse, dass die Bäckereien eine klare Haltung beziehen und sich an dieser Aktion zur Sichtbarkeit von Gewalt beteiligen und sich dafür einsetzen, betroffenen Frauen zu helfen,“ so Lina Klostermeyer, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Herford. „Insgesamt konnten wir mit den Fördermitteln des Fachforums gegen Häusliche Gewalt den Bäckereien im Kreis Herford 150.000 bedruckte Brötchentüten kostenfrei zur Verfügung stellen.“
Für Simone Böhne, Mitinhaberin und Geschäftsführerin von Karlchen’s Backstube, ist dieses Thema eine Herzensangelegenheit: „Mit diesem niederschwelligen Hilfsangebot können wir Betroffenen die Hand reichen und auf Anlaufstellen hinweisen. Genauso schaffen wir auch einfach mehr Sichtbarkeit für das Thema Gewalt gegen Frauen.“
Öffentlichkeitsarbeit wie diese ist und bleibt wichtig, denn: Die Zahl an betroffenen Frauen ist nach wie vor erschreckend hoch: rund jede 3. Frau in Deutschland ist von sexueller und/oder körperlicher Gewalt betroffen. 25 % aller Frauen erleben körperliche oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft und 2 von 3 Frauen erleben sexuelle Belästigung.
Eine Kunstinstallation gegen geschlechtsspezifische Gewalt
Im Kreishaus steht ein Stuhl. Ein einfacher Stuhl auf einer Palette, darauf eine weiße Rose mit einem schwarzen Satinband. Eine stille, aber eindringliche Mahnung. Die Künstlerin Anita Hopf-Kordes hat diese Installation geschaffen, um an Frauen zu erinnern, die aufgrund ihres Geschlechts ermordet wurden. Der leere Stuhl steht symbolisch für die, die nicht mehr da sind – Opfer von Femiziden, deren Platz für immer leer bleibt.
Doch die Installation ist mehr als ein Mahnmal der Trauer. Sie ist auch ein Aufruf zum Handeln. Neben wichtigen Informationen auf einer dabei stehenden Stellwand ist auch die Beratungsstelle Mannoman mit einem Banner vertreten, das auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam macht der sich auch Männer richtet: „Echte Männer reden.“ Nicht schweigen, sondern sich Hilfe holen, bevor die Gewalt eskaliert.
Die Kunstinstallation, bestehend aus dem Stuhl, der Rose, dem Banner und einer bestückten Stellwand, ist den gesamten Monat März 2025 im Kreishaus zu sehen. Danach geht sie auf Wanderschaft, um in weiteren öffentlichen Räumen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Denn solange der Stuhl leer bleibt, dürfen wir nicht aufhören, hinzusehen und zu handeln.
Im Rahmen der Orange Days #orangetheworld haben im November mehrere Verteilaktionen stattgefunden. Dies geschah in Kooperation mit den Landfrauen der Kommunen und des Kreis Herfords.
Dazu wurden an mehreren Orten im Kreisgebiet orangene Rosen mit Frauennotfallkarten verschenkt.
„Orange the World“ ist eine weltweite Kampagne die sich dem Ziel verschrieben hat geschlechtsspezifische Gewalt zu beenden und in der Öffentlichkeit auf Gewaltthemen aufmerksam zu machen.
Sie wird jedes Jahr vom 25.11, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, bis zum 10. Dezember durchgeführt.
Unser Appell an euch: Schaut nicht weg und zeigt betroffenen Frauen und Mädchen aus eurem Bekannten, Freundes- oder Familienkreis wo sie sich Unterstützung holen können. Bietet ihnen gerne an, sie dabei zu begleiten.
Gewalt darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.
Das Fachforum gegen Häusliche Gewalt im Kreis Herford organisierte am Montag, den 11. November 2024, in der Erich-Kästner Gesamtschule in Kirchlengern das Theaterstück „Die Frau, die gegen Türen rannte“.
Geschrieben von Booker-Preisträger Roddy Doyle, erzählt das Stück die Geschichte der 39-jährigen Paula Sprenger, deren Leben seit der Kindheit von Häuslicher Gewalt geprägt ist.
Die Darstellung machte auf realistische Weise spürbar, wie Betroffene oft einen unermüdlichen Kampf führen, um sich selbst und ihr Leben zurückzuerobern und die Gewaltspirale nicht fortzuführen.
„Das Thema Häusliche Gewalt wurde so intensiv und ehrlich auf die Bühne gebracht, dass uns und sicherlich auch den anwesenden Gäst*innen, dieser Abend noch lange in Erinnerung bleiben wird.“, sagt Annika Honermeier, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Kirchlengern.
„Ein großes Dankeschön an die Komplizen* für diese bewegende Inszenierung und die anschließende Diskussion. Dies leistet einen wichtigen Beitrag um das Thema in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen.“, ergänzt Natascha Reichstein, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte vom Kreis Herford.
Gewalt kann überall vorkommen – auch hier bei uns im Kreis Herford. Die ausgelegten Broschüren und Flyer vor Ort sollten mögliche Betroffene auf Hilfsangebote aufmerksam machen.
Auch die Beratungsinstitutionen im Kreis Herford, die Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder vom Kreis sowie die Gleichstellungsbeauftragten von Bünde, Hiddenhausen, Enger und Löhne waren da und sind mit den Besucher*innen gerne ins Gespräch gegangen.
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